Forschungsprojekt • Hochschule Niederrhein

Wirbelrohr:
Kühlung ohne bewegte Teile

Das Forschungsprojekt „Wirbelrohr“ am Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Niederrhein widmet sich der strömungstechnischen Entschlüsselung des Ranque-Hilsch-Effekts. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr.-Ing. Joachim Schettel und Prof. Dr.-Ing. Dominic Deutges verbindet das interdisziplinäre Projekt experimentelle Präzisionsmessungen am eigens entwickelten Prüfstand mit hochauflösenden 3D-CFD-Strömungssimulationen.

1.000.000
Umdrehungen pro Minute
Hochdynamischer Luftwirbel im Generator
-40 °C .. +120 °C
Erreichbare Spreizung
Thermische Separation aus 20 °C Zuluft ohne bewegte Teile
18 Mio.
CFD-Gitterelemente
Hochauflösendes RANS-SST-Turbulenzmodell (ANSYS CFX)
0,01 mm
Grenzschicht-Prismen
Auflösung der Strömungsgleichrichter-Bohrungen

Das Ranque-Hilsch-Phänomen.

Bereits 1933 vom französischen Physiker Georges Ranque entdeckt und 1946 von Rudolf Hilsch weiterentwickelt, fasziniert das Wirbelrohr durch eine Eigenschaft: Es trennt Druckluft mit Raumtemperatur rein strömungsdynamisch in einen eiskalten und einen heißen Massenstrom – völlig ohne rotierende Bauteile.

Strömungsmechanik

Die Wirbelkammer im Querschnitt

Am tangentialen Drucklufteingang (Punkt A) wird das Arbeitsfluid in einen hochdynamischen Wirbel versetzt (Punkt B). Der äußere Luftstrom bewegt sich schraubenförmig an der Innenwand zum Warmluftauslass (Punkt C). Durch die Reibung an der Rohrwand und innere Scherspannungen verliert die innere Schicht an kinetischer Energie und kühlt schlagartig ab.

Da das Regelventil am Warmauslass den Austritt des gesamten Massenstroms drosselt, wird der innere, abgekühlte Kernwirbel zur Mitte hin zurückgestoßen und strömt entgegengesetzt durch die Generatoröffnung am Kaltluftausgang (Punkt D) ins Freie.

Kaltgasanteil μ:
$$\mu = \frac{\dot{m}_{Kalt}}{\dot{m}_{ges}} = \frac{\dot{m}_{Kalt}}{\dot{m}_{Kalt} + \dot{m}_{Warm}}$$
3D-Funktionsschaltbild des Ranque-Hilsch-Wirbelrohrs
Abbildung 1: Funktionsschaltbild Wirbelrohr A: Einlass • B: Generator • C: Heißauslass • D: Kaltauslass

Anwendung: Punktkühler.

Obwohl der thermische Wirkungsgrad eines Wirbelrohrs gegenüber konventionellen Kompressor-Kältemaschinen geringer ist, bietet es als separater Kühlblock im Maschinenbau unschlagbare konstruktive Vorteile: Es besitzt keine beweglichen Teile, ist wartungsfrei, extrem kompakt und nutzt die standardmäßig anliegende Druckluft (6–8 bar).

Ein Rätsel. Fünf Theorien.

Trotz einer jahrzehntelangen Forschungsgeschichte ist die physikalische Gesamterklärung der thermischen Separation bis heute nicht vollends abgeschlossen. An der Hochschule Niederrhein werden die fünf dominanten Erklärungsmodelle systematisch evaluiert und numerisch überprüft.

Aktuellste Hypothese • 2012–2015

Angular Propulsion Engine (APE)

POLIHRONOV et al. (2012, 2015a,b)

Der Angular-Propulsion-Ansatz zieht die Eulersche Strömungsmaschinenhauptgleichung für rotorlose Turbinen und Kompressoren heran. Das Wirbelrohr fungiert auf der Kaltseite als rotorlose Turbine und auf der Warmseite als rotorloser Kompressor.

Radial von der Außenwand (\(r=R\)) zur Rotationsachse (\(r=0\)) strömendes Gas muss aufgrund der Drehimpulserhaltung enorm beschleunigen. Der konservierte Impuls wird über innere Scherkräfte entgegengesetzt des Radius nach außen getragen und erhöht dort die totale Enthalpie der äußeren Schicht, wo die kinetische Energie durch viskose Dissipation in Wärme umgewandelt wird.

$$\frac{\vec{v} \times \vec{\omega} \times \vec{r}}{c_p} = \text{const} \quad \implies \quad T_1 - \frac{c_1^2}{2 c_p} = T_2 - \frac{c_2^2}{2 c_p}$$
Angular Propulsion Engine
Abbildung 8: Rotational Analog of Rocket Motion (Polihronov, 2014) Impulstransport & Scherspannung
Laminare 2D-Schubspannungstheorie

Der Fulton-Ansatz (1950)

FULTON C.D. (Refrigerating Engineering, 1950)

Fulton postuliert, dass ein thermischer Separationseffekt genau dann eintritt, wenn der radiale Transport mechanischer Arbeit durch Schubspannung nach außen größer ist als der entgegengesetzte Wärmeleitungsstrom nach innen (\(E_r / Q_r \le -1\)). Hierfür ist eine Prandtl-Zahl (\(\Pr = \frac{\eta \cdot c_p}{\lambda}\)) von mindestens \(\Pr \ge 0,5\) erforderlich (Luft: \(\Pr \approx 0,7125\)).

$$\Delta T_{c,\max} = \Delta T_{isentrop} \cdot \left(1 - \frac{1}{2 \Pr}\right) \quad \text{mit} \quad \Delta T_{isentrop} = T_1 - T_1 \left(\frac{p_2}{p_1}\right)^{\frac{\kappa-1}{\kappa}}$$

Für das Druckluftnetz der Hochschule Niederrhein (\(p_1 = 7,5\text{ bar abs}\), \(T_1 = 285\text{ K}\)) beträgt der isentrope Temperaturabfall \(\Delta T_{isentrop} = 157\text{ K}\). Mit \(\Pr = 0,7125\) ergibt sich theoretisch eine maximale Kaltgas-Temperaturdifferenz von \(\Delta T_{c,\max} \approx 47\text{ K}\).

Thermodynamische Rückströmung

Das Wärmepumpen-Modell

AHLBORN et al. (Journal of Non-Equilibrium Thermodynamics, 1998)

Ahlborn, Keller und Rebhan schreiben die Temperaturtrennung primär einer sekundären Rückströmung im Inneren des Wirbelrohrs zu. Diese innere Strömung wirkt wie eine eingebaute Wärmepumpe: Sie transportiert aktiv Wärme aus dem Niederdruckgebiet im Kern des Rohres direkt zur unter Hochdruck stehenden Außenwand.

Nach numerischen Analysen von Fröhlingsdorf und Unger (1999) können in diesem Prozess bis zu 70 % bis 80 % der im expandierenden Arbeitsfluid enthaltenen mechanischen Arbeit in effektive Trennarbeit umgewandelt werden.

Historische Grundlegung • 1942–1962

Eckert-Weise & Adiabatenexponenten

SCHULTZ-GRUNOW (1951) & ERDELYI (1962)

Schultz-Grunow führte die Temperaturseparation im Inneren auf den Eckert-Weise-Effekt zurück (1942 entdeckt). Dieser beschreibt die aerodynamische Kühlwirkung im schnellen Windschatten anströmter, unbeheizter Körper. Der innere Wirbelraum verhält sich analog zu einem strömungsmechanischen Windschatten.

Erdelyi (1962) ergänzte, dass die erreichbare Temperaturdifferenz weder von den geometrischen Abmessungen noch von der Absolutgröße des Drucks abhängt, sondern ausschließlich vom Adiabatenexponenten \(\kappa\) des Gases, dem Druckverhältnis \(p_1/p_2\) vor und hinter dem Rohr sowie der absoluten Eintrittstemperatur \(T_1\).

Akustisches Streaming

Akustische Wellentheorie

LIGHTHILL (1978) & ISTIHAT et al. (2015)

Jedes in Betrieb befindliche Wirbelrohr emittiert einen hochfrequenten Pfeifton. Lighthill (1978) untersuchte die Entstehung von Acoustic Streaming (Sekundärströmungen durch hochfrequente Schallwellen) an rotierenden Oberflächen und wandte die Mechanismen auf den Wirbelrohreffekt an.

Experimentelle akustische Wavelet-Transformationen von Istihat und Wisnoe (2015) bestätigten eine direkte Korrelation: Die effektivste Temperaturtrennung tritt genau bei einem Einlassdruck von 40 psi (~2,75 bar) und einer charakteristischen Frequenz zwischen 4 kHz und 8 kHz auf, bei der akustische Resonanzwellen den radialen Energietransport verstärken.

Das virtuelle Sondensystem.

Warum ist eine Strömungssimulation für das Wirbelrohr unverzichtbar? Jede physische Messsonde – und sei sie noch so filigran – ist im Verhältnis zum kleinen Rohrinnendurchmesser von 15 mm zu groß und würde die hochsensible, mit 1 Mio. U/min rotierende Wirbelströmung sofort zerstören. Die numerische Simulation in ANSYS CFX 15.0 öffnet das berührungslose Fenster ins Innere.

#01 Gittergenerierung (ICEM CFD)

Die Diskretisierung erfolgt in ICEM CFD 15.0 nach dem Standard von Lecheler (2014) mit der Methode „Robust (Octree)“. Vom Kern ausgehend wird das unstrukturierte Tetraeder-Netz erzeugt und durch 10 Prismenschichten am Rand verfeinert, um die wandnahen Grenzschichteffekte und Scherspannungen exakt aufzulösen.

Netzelemente Gesamt:18.000.000
Knotenpunkte:5.000.000
Prismenschichthöhe Bohrung:0,01 mm

#02 Gelöste RANS & SST Gleichungen

Die Fluidbewegung wird über die dreidimensionalen Reynolds-gemittelten Navier-Stokes-Gleichungen (RANS) mit Erhaltung von Energie, Impuls und Masse modelliert. Zur Turbulenzabbildung kommt das Shear-Stress-Transport (SST) Modell zum Einsatz. Aufgrund der extremen Scherraten ist die viskose Dissipation (Viscous Work Term) explizit aktiviert.

Gleichungsansatz:RANS + SST k-ω
Präzision im Solver:Double Precision
Rechenzeit (Auskonvergieren):52 Stunden

#03 Idealgas vs. Realgas (Joule-Thomson)

Ist Luft im Wirbelrohr ein ideales Gas? Zur Prüfung wurden Vergleichsrechnungen mit der Redlich-Kwong-Realgasgleichung (79% N₂, 21% O₂) durchgeführt. Das Ergebnis: Beide Kurven verlaufen nahezu parallel mit nur ~1,5 K Abweichung. Auch die analytische Joule-Thomson-Abschätzung ergibt bei 5,9 bar Druckabfall nur 1,54 °C Abkühlung.

Verwendetes Fluidmodell:Air Ideal Gas
Joule-Thomson-Koeffizient μ:0,2608 K/bar
Einfluss Realgas auf Effekt:Vernachlässigbar (< 3%)
Finales Rechengitter des Wirbelrohrs
Abbildung 18: Finales Rechengitter (Wirbelrohr & Gleichrichter) 18 Mio. Elemente • 10 Prismenschichten
Gitterkonvergenzstudie

Nachweis der Netzunabhängigkeit

Um sicherzustellen, dass die numerischen Ergebnisse nicht vom gewählten Rechengitter abhängen, wurde eine systematische Gitterstudie (Mesh 1 mit 1.000 bis Mesh 3 mit 5.654 Knoten auf 27 Querschnittsebenen) durchgeführt.

Dabei zeigte sich, dass sich die erfassten Strömungsgrößen wie die totale Temperatur und die Machzahl ab einer bestimmten Netzfeinheit nicht mehr signifikant ändern. In den komplexen Bohrungen der Strömungsgleichrichter wurde die Prismenschichthöhe zusätzlich auf 0,01 mm reduziert, um das lokale Druckgefälle hochpräzise zu erfassen.

Der Prüfstand der Hochschule Niederrhein.

Um die numerischen Simulationen an der Realität zu spiegeln, wurde von den interdisziplinären Projektgruppen ein hochpräziser pneumatischer Prüfstand konstruiert, gebaut und über mehrere Semester iterativ optimiert.

Zustrom & Vorlaufstrecke

1900 mm pneumatische Messstrecke

Um am Zustrom ein voll ausgebildetes, drallfreies turbulentes Strömungsprofil (nach DIN EN ISO 5167: \(L > 100 \cdot d_{Rohr}\)) zu garantieren, besitzt der Prüfstand einen pneumatischen Vorlauf von 1300 mm bei \(d_{Rohr} = 15\text{ mm}\).

Gesamter Messaufbau am Prüfstand
Abbildung 6: Gesamter Messaufbau mit Rohrreibungsstrecken Länge: 1900 mm
Modulare Gleichrichterkammern

Eliminierung des Dralls im Auslass

Da die Luft aus dem Wirbelrohr sowohl am Kalt- als auch am Warmauslass stark rotierend austritt, würde eine direkte Druckmessung falsche Volumenströme ergeben. Die studentischen Teams entwickelten deshalb spezielle Strömungsgleichrichter-Kammern.

CAD Konstruktion Strömungsgleichrichter
Abbildung 8: Sieb-Gleichrichter mit axialen Bohrungen Drallfrei ab 200 mm
Redundante Messmethodik

Prandtl-Rohr & Rohrreibungsgesetz

Der Volumenstrom und die mittlere Strömungsgeschwindigkeit \(c\) werden auf zwei unabhängigen Wegen bestimmt: Erstens über den statischen Druckabfall \(\Delta p\) entlang einer 600 mm Messstrecke (mit Drucknippeln im 150 mm Abstand und Rohrreibungszahl \(\xi\) nach Blasius) und zweitens über die dynamische Staudruckmessung mittels Prandtl-Rohr (Pitot-Rohr im Rohrzentrum).

Prandtl-Rohr Messung mit testo 521-1
Abbildung 11: Dynamische Druckmessung (Prandtl-Rohr & testo 521-1) Abweichung < 5%
Präzisions-Sensorik

Direkte Temperaturaufzeichnung

Die Erfassung der Kalt- und Warmgastemperaturen erfolgt über hochgenaue Tauch- und Einstechfühler mit integriertem Thermoelement direkt am Austritt der Gleichrichterkammern. Durch ein präzises Drosselventil am Warmauslass (Steigung \(0,75\text{ mm/Umdrehung}\)) werden 20 exakt definierte Betriebspunkte (\(\frac{1}{4}\)-Umdrehungen) durchfahren und bilanziert.

$$c = \sqrt{\frac{2 \cdot \Delta p_{dynamisch}}{\rho}} \quad \text{bzw.} \quad \Delta p = \xi \frac{L_{Mess}}{d_{Rohr}} \frac{\rho}{2} c^2$$

Bachelorarbeit Max Wertenbruch.

Im Rahmen der Bachelorarbeit „Eine theoretische und numerische Analyse des Ranque-Hilsch Wirbelrohres“ an der Hochschule Niederrhein wurde das 3D-CFD-Modell mit den experimentellen Prüfstandsreihen verknüpft und der Angular-Propulsion-Ansatz numerisch evaluiert.

CAD-Modellierung & STEP-Export

Die exakte Geometrie im Inventor

Da kommerzielle Hersteller keine internen Maße preisgeben, wurde an der Hochschule Niederrhein ein reales Versuchswirbelrohr mit dem stärksten Generator R40 (maximale Kälteleistung) präzise vermessen und aufgeschnitten.

Max Wertenbruch korrigierte in der BA die bisherigen Unstimmigkeiten am Warmauslassventil (herausgeschoben um \(1,6\text{ mm}\) bei 2 Umdrehungen) und integrierte die Messinghülsen der Gleichrichterkammern nahtlos in das 3D-Volumenmodell für den ICEM-CFD-Import.

Vereinfachte Geometrie des simulierten Wirbelrohrs in Autodesk Inventor
Abbildung 9 (BA): Schnitt durch das CAD-Modell mit Gleichrichter Generator R40 & Regelventil
Auswertung im CFD-POST

Temperatur, Machzahl & Scherrate

Nach 52 Stunden Rechenzeit im ANSYS CFX-SOLVER (Double Precision, 2000 Iterationen für die Totaltemperatur) zeigten die Auswertungen auf 17 Querschnittsebenen detaillierte Einblicke in das strömungstechnische Verhalten der Wirbelkammer:

  • Totaltemperatur-Separation: Am Warmauslass stellt sich \(T_{total} = 302,3\text{ K}\) (+29 °C) ein, am Kaltauslass \(279,8\text{ K}\) (+6,6 °C). Dies entspricht einer simulierten Temperaturspreizung von \(\Delta T = 22,5\text{ K}\) bei einem Kaltgasanteil von \(\mu = 0,8\).
  • Überschall im Generator: Beim Eintritt in die Generator-Kanäle beschleunigt die Luft auf bis zu 486,6 m/s (Mach 1,804). Die Umfangsgeschwindigkeiten \(c_u\) nehmen vom äußeren Radius (bis 150 m/s) zur Achse hin linear ab.
  • Shear Strain Rate: Die höchsten Scherraten treten exakt zwischen Messinghülse und Generatorrohr auf – der mechanische Beweis für den radialen Energietransport durch viskose Scherspannung.
Wissenschaftliche Synthese der BA

Die Validierung der Eulerschen Strömungsmaschinengleichung

Ein Kernstück der Bachelorarbeit von Max Wertenbruch war die Prüfung, ob der neuartige Angular-Propulsion-Ansatz von Polihronov die inneren Temperaturen des Wirbelrohrs numerisch exakt vorhersagen kann. Hierzu wurden auf 17 Querschnitten im Abstand von 5 mm die tangentialen Umfangsgeschwindigkeiten \(c_1\) (außen) und \(c_2\) (innen) aus der CFD abgelesen und in Eulers Gleichung eingetragen:

$$T_{2,\text{Euler}} = T_1 - \frac{c_1^2 - c_2^2}{2 \cdot c_p}$$

Erkenntnis & Proof of Concept:

Im beruhigten mittleren Rohrberich (Querschnitte 1 bis 10) stimmen die aus Eulers Gleichung berechneten Innentemperaturen gut mit den simulierten CFD-Werten überein (\(\Delta T \approx 15 - 25\text{ K}\)).

Warum weicht Euler direkt am Generator ab? Auf den Ebenen 11 und 12 (unmittelbar am Düsenstern) berechnet die einfache 2D-Eulergleichung extreme Temperaturdifferenzen bis zu 170 K. Max Wertenbruch bewies, dass dies an hochkomplexen dreidimensionalen Kurzschlussströmungen und axialen Umkehrwirbeln liegt, bei denen warmes Gas im Sternbereich direkt zum Kaltausgang zurückströmt. Der AP-Ansatz ist ein starker physikalischer Proof of Concept, erfordert jedoch für eine lückenlose Vorhersage die Erweiterung um die axialen Rückströmungsterme!

Der thermische Separation-Rechner.

Erleben Sie die Thermodynamik des Ranque-Hilsch-Wirbelrohrs live. Verändern Sie den Eingangsdruck \(p_1\) am Druckluftnetz und den Kaltgasanteil \(\mu = \dot{m}_{Kalt}/\dot{m}_{ges}\) am Drosselventil. Der Simulator berechnet in Echtzeit die Austrittstemperaturen auf Basis der interpolierten Kennlinien der Hochschule Niederrhein.

Eingangsdruck im Netz (p₁) 7.5 bar
3,0 bar (Min) 6,5 bar (HN Netz) 8,0 bar (Max)
Kaltgasanteil am Ventil (μ) 65 %
10 % (Max Kälte) 65 % (Optimal HN) 95 % (Max Wärme)
Kaltluft-Austritt (T₂)
-24.8 °C
Gemessen nach Gleichrichterkammer
Thermische Spreizung (ΔT)
61.4 K
Differenz Warm minus Kalt
Heißluft-Austritt (T₃)
+36.6 °C
Enthalpiebilanz aus 11,85 °C Zuluft

Die Köpfe hinter dem Wirbelrohr.

Ein interdisziplinäres Forschungs- und Lehrprojekt lebt von der Leidenschaft, Präzision und dem Erfindergeist seiner Studierenden sowie der wissenschaftlichen Begleitung am Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen (FB 09) der Hochschule Niederrhein.

Wissenschaftliche Leitung & Numerik

Forschungsführung FB 09

S
Prof. Dr.-Ing. Joachim Schettel Initiator & Betreuung • Thermodynamik, Energietechnik & Strömungsmechanik
D
Prof. Dr.-Ing. Dominic Deutges Initiator & Betreuung • Fertigungstechnik, Konstruktion & Maschinenelemente
W
Max Wertenbruch, B.Sc. Bachelorarbeit 2017 • 18M-Elemente 3D-CFD-Numerik & Validierung
Studentische Forschungsteams

Interdisziplinäre Projekte I – VI (2015–2020)

⚙️ Projektteam WR1 (WS 15/16 • Thermodynamische Bilanzierung & Prototyp I)

Grundlagenforschung zum Separationseffekt, erste Enthalpiebilanzen, Aufbau des ersten Versuchsprototypen und Machbarkeitsstudien der 3D-CFD-Simulation in ANSYS CFX.

Miriam BongardtMax GriefLeonie HeckmannsPaul KrautmannNiclas KootstraBjörn KrichelJoel Willerding
🔧 Projektteam WR2 (SS 16 • Prüfstandserweiterung & Sensorik-Integration)

Erweiterung des pneumatischen Prüfstands, Konstruktion optimierter Mess- und Schutzvorrichtungen am E-Motor-Stand, Integration von Druck- und Temperatursensorik und experimentelle Parametervariation.

Sascha KeiderlingMaximilian MüllerDmitry VikulovDominik Walter
🔬 Projektteam WR3 & Redaktion (WS 16/17 • Messkampagne & Gleichrichterkammern)

Entwicklung und Konstruktion der Strömungsgleichrichterkammern zur Eliminierung des starken Auslassdralls, systematische Vermessung mit Prandtl-Rohr, Enthalpiebilanzierung und wissenschaftliche Redaktion des FB09-Berichts.

Nils van AfferdenAleksandra DokicPaul Ortloff-KittredgeMeryl PorbadnikMarc RiehleRasmus TimmermannMax WertenbruchPhilipp Heisel (Redaktion FB09)
🖨️ Projektteam WR4 (WS 17/18 • Additive Fertigung & 3 Geometrie-Varianten)

Erforschung des FDM-3D-Drucks (Cura, Zugversuche & Druckparameteroptimierung) und additive Fertigung dreier Konstruktionslinien: Ranque-Hilsch-Basis (tangential ohne Generator), eputec-Basis (Nachbau des industriellen Vortex Tube) und freie modulares Stecksystem.

Sait AytmenMarius HempelJan-Phillip SauerFelix SchieleFelix SchmitzMoritz Werminghaus
🌀 Projektteam WR5 (SS 19 • Generatoren-Geometrien & Oberflächenrauheit)

Systematische Entwicklung und 3D-Druck verschiedener Düsen-Generatoren, experimentelle Untersuchung des Einflusses der Oberflächenrauheit in den Düsenkanälen auf den thermodynamischen Separationseffekt und Vermessung am pneumatischen Prüfstand.

Felix HamacherManuel Kistner-BahrPascal TeuwenPeter RheindorfTammo Mehrtens
🧩 Projektteam WR6 (SS 20 • Modulares Baukastensystem & Joule-Thomson-Analyse)

Entwicklung eines adaptiven Baukastensystems (austauschbare Generatoren mit Kaltauslass, Wirbelkammer-Körper und Ventile) zur gezielten Maximierung des Volumenstroms und der Kühlleistung im 3D-Druck unter Corona-Laborauflagen am Robotiklabor sowie Analyse des Joule-Thomson-Effekts.

Marcel ZeliosHarun ÖzJanine KossJonas FurthmannJaime Lindt